„Mama…ich bin schwul“

Hmm Coming Out… Irgendwie war mir dieser Name dafür schon immer etwas suspekt.23

Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich bei dieser Bezeichnung den Eindruck, als würde er sagen wollen, dass man vorher nicht gesehen wurde. Als würde man den Vorhang auf einer Theaterbühne passieren, um die Bühne zu betreten. Als würde man die Augen zusammen kneifen müssen weil das Licht der Scheinwerfer, die man vorher nicht sehen konnte, einen blendet.

Ich fühlte mich nie so, als habe man mich nicht gesehen. Ich kam mir nie vor, wie ein Schatten der herum schleicht und den man nicht wahrnimmt.

Aber irgendwo ist was an diesem Begriff dran… Coming Out – heraus treten, sich zeigen, sich zu offenbaren, man selbst zu sein.

Wo beginnt ein Coming Out eigentlich? Beginnt es damit das man es aller Welt sagt und mit Klischees versucht zu Schockieren und zu zeigen was man ist? Oder beginnt es viel, viel früher?

Bei mir fing es bereits mit 11 an. Da war dieser neue Junge auf meiner Schule. Ich hatte nie mit ihm gesprochen, doch wollte ich unbedingt mit ihm befreundet sein.

Es fällt mir schwer an dieser Stelle meiner Mutter zu glauben, dass ihr nie auffiel, dass ich schwul bin, wenn ich daran denke wie oft ich bereits abends mein Outfit für den nächsten Tag zurecht legte.

Nur damit ich gut aussehe wenn ich IHN am nächsten Morgen sehe.

Vielleicht ist es auch gut so, dass es ihr nie aufgefallen ist. Vielleicht heißt das, dass meine Mutter nicht in Schubladen denkt?!

Und grade als ich mich mit ihm angefreundet hatte, wechselte ich die Schule.

Nach langer Zeit dort in der Schule, habe ich angefangen mich zu fragen, was mit mir selbst los ist. Alle hatten Freundinnen und oder fühlten sich von bestimmten Mädels angezogen fast so, wie die Fliege zur Venusfliegenfalle. Doch mich lies das Ganze kalt. Im Gegenteil, die Jungs waren die Objekte meiner Begierde.

So wie die Pubertät schlimmer wurde, so wurde auch mein Interesse für mein eigenes Geschlecht immer intensiver.

Lange rang ich mit mir selbst. Denn ich verstand, hier war was anders. Hier passte was nicht zu dem mir vorgekauten Traumleben, was alle führen sollen.

Eine Frau kennenlernen, ein Haus kaufen, einen Baum pflanzen und Kinder großziehen.

Es dauerte fast ein Jahr, bis ich es mir selbst zugestanden habe, dass ich nun mal auf Jungs stehe und dass ich begriffen habe, dass man in der Lebensplanung einfach nur die Frau durch einen Mann ersetzen brauch und sonst alles gleich bleibt.

Erst outete ich mich bei meinen Freunden . Dadurch merkte ich erst wer wirklich meine Freunde waren und mich mochten so wie ich bin. Mein Freundeskreis verkleinerte sich enorm. Doch die Freundschaften intensivierten sich.

Später outete ich mich bei meiner Mutter. Ich hatte Angst sie würde mich ablehnen und verstoßen.

Doch ihre Reaktion darauf war die Coolste die ich je zu Ohren bekommen habe.

„Mama… ich bin Schwul!“

Sie schluckt… „Was solls. Solange du ein Kondom benutzt ist doch alles gut. Ist doch egal ob du es mit einem Mann oder einer Frau machst. Solange es dir Spaß macht“

Das war mein Coming Out.