Das zieht sich durch mein ganzes Leben…

Meine Coming-Out Geschichte, zieht sich eigentlich durch mein ganzes Leben. Zwar ist es sich als Prinzessin verkleiden, oder Angst vorm Kletten auf Bäumen zu haben, noch lange kein Zeichen, dass das Kind schwul sein könnte, aber das war bei mir nur der Anfang.

Schon in der Grundschule gab es diesen einen Kumpel, den ich irgendwie mehr mochte, als andere Kollegen. Spätestens dann, als ich von ihm träumte empfand ich da etwas „Neues“, etwas, was mich verunsicherte. Meine Mutter kam zu mir ins Bett und beruhigte mich. Mit dem englischen Kinderbuch „No matter what“ trichterte sie mir schon ein, dass sie mich so liebt, wie ich bin und immer hinter mir steht.

Mit 8 Jahren hatte ich meinen ersten großen Promi-Schwarm: Daniel Radcliffe (damals nur Harry Potter). Mit der Zeit verlor sich das wieder und ich hatte 2 Freundinnen, die heute noch meine engsten Vertrauten sind. Mit Mädchen ist aber nie mehr gelaufen als knutschen und das bleibt ganz sicher so.

Mit 14 hatte ich jedoch ganz stark das Gefühl, dass ich wahrscheinlich schwul bin. Eines Nachts lag ich im Bett, stellte mir vor mit einem Jungen zu kuscheln und zu küssen. Mein Bauch ging auf Hochtouren und ab da wusste ich esganz genau. Am nächsten Morgen outete ich mich sofort bei meiner Mutter und ihrem damaligen Freund und erzählte ihnen von „schwulejungs.de“ und mit beiden zusammen legte ich mir an demselben Tag ein Profil an.

In der Klasse habe ich mich auch sofort geoutet, erstmal nur bei Freunden. Alle standen hinter mir, naja… außer mein Klassenschwarm der dann für’s erste Abstand von mir hielt als er es erfuhr. Da ich schon immer als schwul „beschimpft“ wurde packte ich die Gelegenheit am Schopf und outete mich direkt in solchen Situationen und sagte: “ Hast Recht, ich bin schwul. Und jetzt!?“ Die Idioten konnten es auf einmal kaum fassen. Dabei hatten sie immer Recht. Schon komisch, ich würde mich freuen.

Mit 16 hatte ich meinen ersten Freund und damit meinen ersten richtigen Kuss. Innerhalb von 2 Jahren sind ein paar Jungs gegangen und gekommen. Ich kam nicht mit der „Lockerheit“, die teilweise in der Szene oft vertreten ist, zurecht, dieses „nur Spaß“ mag ich nicht. Doch als ich fast den Glauben in „wahre, ernsthafte Liebe“ vrlor, kam Dennis, mein jetziger Freund seit 2 Jahren. Anfangs gab’s viele Schwierigkeiten, weil ich vorsichtig war und mein Misstrauen auf ihn projizierte. Er hatte es ziemlich schwer mit mir, aber er ist geblieben.

Anfangs hatte ich mir auch gesagt „Das geht zu schnell, Myles, sei nicht naiv“. Doch zum Glück hatte ich eine gute Schulkollegin bei mir, die mir klar machte, dass diese Chance die sich mir gerade bietet selten, oder gar nur einmal im Leben vorkommt und mir wurde klar, Dennis ist der, nach dem ich immer gesucht habe. Dennis empfand das für mich, was ich vor zwei Jahren immer empfand. Bedingungslose Liebe. Ich weiß – kitschig, nicht? Aber ich bin stolz darauf diese Liebe in meinem Leben gefunden zu haben. Denn meine Mutter, meinFreund und Schule sind ganz oben auf der Liste der wichtigsten Dinge im Leben, meiner Meinung nach.

Ich lernte Dennis im Jugendzentrum kennen: im together gelsenkirchen. Zu diesem Zeitpunkt besuchte ich die Jugendzentren des SVLS schon seit 2 Jahren. Der Anfang war schwer, also sich trauen hinzugehen, doch es hilft ungemein sich in seiner sexuellen Orientierung zu finden und wohlzufühlen.

Ich bin froh meine Suche mit 18 schon abgehakt zu haben. Ich sehe das als Glück. Und das Outing war der Anfang und hat meinen Weg leichter gemacht dahin zu kommen, wo ich jetzt bin und vor allem mich zu dem gemacht, was ich heute bin. Ich bin stolz auf mein Wesen und mein Leben und jeder hat ein Recht darauf das auch zu tun.

Myles, 18